Fjarill bringt am 16. April 2021 einen Hauch Schwedens auf die Livestreaming-Bühne der Konzerthelden Neumünster. Möglich wird dieses Konzert durch die Unterstützung des Kulturlokschuppen Neumünster und Sinn und Zweck der Initiative ist es, die Musikkulturlandschaft während Corona-Zeiten am Leben zu erhalten und über Livestreams Spenden für alle beteiligten Kulturschaffenden zu sammeln. Denn ohne Künstler/Musiker, Ton- und Lichttechniker sowie Veranstalter wird es bald keine Livemusik mehr geben können.
Der Livestreams startet um Punkt 19 Uhr auf mehreren Kanälen!

Wie bleibt die Kunst lebendig? Indem wir sie immer wieder lesen, hören und betrachten. Indem Worte, die vor langer Zeit geschrieben wurden, ganz unmittelbar in uns anklingen. Wenn vergangene Werke zu neuen inspirieren. Insofern ist es ein wunderbar bewegendes Ereignis, wie das Hamburger Singer-Songwriter-Duo Fjarill nun Gedichte von Nelly Sachs und Pär Lagerkvist vertont hat. Ihr neuntes Album „Poësi‟ verbindet tieftraurige und traumschöne Lyrik mit einer ganz eigenen vielschichtigen Klangwelt zwischen Folk, Pop, Jazz und Klassik. Die schwedische Sängerin und Pianistin Aino Löwenmark wandelt gemeinsam mit der südafrikanischen Violinistin Hanmari Spiegel so kunstvoll zwischen damals und heute, bis eine absolut zeitlose Magie entsteht. Poesie eben.

Sowohl Nelly Sachs als auch Pär Lagerkvist sind 1891 geboren. Und beide erhielten Mitte des 20. Jahrhunderts den Nobelpreis für Literatur. Doch neben diesen biographischen Gemeinsamkeiten ist es vor allem der dichterische Geist, der Fjarill fasziniert. „Beide behandeln vergleichbare Themen: Warum existieren wir auf dieser Erde? Welche Stärke entwickeln wir in schwachen Momenten? Leben wir intensiver im Angesicht des Todes?‟, sagt Aino Löwenmark. Nelly Sachs hatte während der NS-Diktatur begonnen, sich mit ihrer jüdischen Herkunft zu befassen. 1940 floh sie von Berlin nach Stockholm, wo sie nicht nur als Dichterin lebte, sondern auch schwedische Werke ins Deutsche übersetzte, unter anderem von Pär Lagerkvist. „Wir haben Gedichte von ihr ausgesucht, in denen ein hoffnungsvoller Schimmer zu erahnen ist‟, erzählt Aino Löwenmark. „Noch mehr Licht kommt dann mit der Poesie von Pär Lagerkvist hinzu.‟

Die frei atmende Atmosphäre, die „Poësi‟ durchzieht, wurde behutsam eingefangen von dem Hamburger Produzenten Stephan Gade. „Stephan ist ein entspannter Mensch, den wir seit mehr als 15 Jahren kennen. Mit ihm zu arbeiten, hat sich wie eine Verlängerung unserer Kreativität angefühlt‟, erzählt Aino Löwenmark. Stephan Gade hat sich mit Bass, Gitarre und Percussion in die Aufnahmen eingebracht. Und weitere treue Weggefährten haben ebenfalls zu dem Album beigetragen, etwa die Musiker Jürgen Spiegel und Stefan Stoppok. Der Schauspieler Andreas Grötzinger wiederum rezitiert mit dunkel-warmer Stimme das Poem „In der blauen Ferne‟. Neu ist, dass Fjarill seine Instrumentierung erweitert hat. So ist Hanmari Spiegel erstmals am Synthesizer zu hören, was den Sound des Duos dynamisch bereichert.

Es hat eine heilende und beflügelnde Qualität, wie Fjarill auf „Poësi‟ menschliche Seelenlagen auslotet. Wie die Musikerinnen beherzt eintauchen in jene Zustände, die zwischen den Welten zu liegen scheinen. Wie sich Stimmen und Töne Schicht um Schicht ergänzen. Und wie zugleich viel Raum bleibt für eigene Gedanken. Mit der spannungsgeladenen Rhythmik von „Glömma Glömma‟ lassen sich Wut und Frust kanalisieren. Und mit Lagerkvists bekanntem Gedicht „Det är vackrast när det skymmer‟ werden die Zuhörenden zum Abschluss des Albums sanft in die Dämmerung geleitet. Das Lied zelebriert eine allumfassende Liebe, die wir ganz für uns alleine spüren können. Was für eine passende und tröstende Botschaft in dieser besonderen Zeit.

Das Konzerthelden Line-Up 2021

Eine Initative für die Kultur in Schleswig-Holstein.

Aus der Schwalestadt Neumünster.